Dekleva Gregorič Architects

“Nanotourism - Living abroad together” 

Dekleva Gregorič Architects zählt zu den renommiertesten Architekturbüros Sloweniens und wurde von Aljoša Dekleva und Tina Gregorič 2003 in Ljubljana gegründet. Tina Gregorič leitet den Forschungsbereich Gebäudelehre und Entwerfen am Institut für Architektur und Entwerfen an der Fakultät für Architektur und Raumplanung an der TU-Wien und Aljosa Dekleva ist Leiter der AA nanotourism Visiting School der Architectural Association in London. Bei der Entwicklung ihrer vielfach ausgezeichneten Projekte verfolgen sie das Konzept ‘research by design’ und ‘design by research’, wobei der soziale Mehrwert, die räumlichen Qualitäten, die hochwertige Materialität sowie der historische Kontext wesentlich sind. Die Gebäude und Interventionen zeichnen sich durch den Bezug zum Ort, dem örtlichen Handwerk und zu den lokalen Bauweisen und Materialität sowie durch das Aufspüren der Bedürfnisse von Bewohner*innen und Nutzer*innen aus.

im Heim der Wiener Sängerknaben
bei schönem Wetter im Freibereich neben dem Veranstaltungssaal
Helmut-Horten-Straße 11
Sekirn am Wörthersee

in Kooperation mit dem Architektur Haus Kärnten

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Neben der Werkschau ihrer vielfach ausgezeichneten Projekte gehen Dekleva Gregorič der Frage nach, wie durch kreative Konzepte die Bedürfnisse von Tourist*innen, als auch jene der Bewohner*innen sowie der lokalen Wirtschaft gleichermaßen Berücksichtigung finden können und was Architektur dazu beitragen kann?

Nanotourismus ist eine ortsspezifische, partizipatorische und lokal orientierte Alternative zum Massentourismus. Dabei geht es darum die gegenseitigen Interaktionen zwischen Gastgebern bzw. ansässiger Bevölkerung und den Gästen bzw. temporär Wohnenden anzuregen. 

Der Vortrag findet im überdachten Freibereich neben dem Veranstaltungssaal im Areal der Wiener Sängerknaben in Sekirn am Wörthersee statt. Für ausreichend Abstand entsprechend den COVID19 Restriktionen ist gesorgt. Wir bitten um Verständnis, dass wir aus Hygienegründen zur Veranstaltung nur Besucher*innen zulassen dürfen, die eine Nasenmundmaske tragen. Desinfektionsmittel stehen zur Verfügung.

Wir freuen uns sehr nach so langer Quarantänezeit endlich wieder gemeinsam und an einem so schönen Ort zusammen kommen zu dürfen. Unser besonderer Dank gilt Raffaela Lackner und dem Team des architektur HAUS kärnten als Kooperationspartner sowie dem Verein der Wiener Sängerknaben, die uns den Veranstaltungsort zur Verfügung stellen.

Haschim Sakis, der Kurator der 17. Internationalen Architektur Ausstellung in Venedig, stellt die Frage „How will we live together?“. Die Ausbeutung der Erdölvorkommen hat weltweit eine drastische Verschiebung im Mobilitätsverhalten mit sich gebracht. Reisen ist für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich geworden, geht aber vielfach auf Kosten der Umwelt und des Klimawandels. Die negativen Auswirkungen des Massentourismus lassen sich gerade in Städten wie Venedig deutlich nachvollziehen und gehen sehr oft zu Lasten der Lebensqualität der ansässigen Bevölkerung.

Parallel dazu kämpfen immer mehr ländliche Regionen mit Leerstand und der Verarmung der Infrastruktur. Die zunehmende Urbanisierung entvölkert und verödet ganze Landstriche. Ehemalige Tourismusregionen überaltern und dörren aus. Denn auch die Ansprüche und das Kommunikationsverhalten vieler Erholungssuchenden haben sich gravierend verändert.

Die Krise als Chance!  Viele Tourismusregionen suchen daher nach neuen Konzepten. Ist man Gast oder Tourist? Lebt man in Paralleluniversen oder wohnt man auf Zeit als Teil eines Orts? Die Suche nach Zurückgezogenheit, nach Natur und authentischen Orten stellen einen viel gesuchten Kontrast zum hektischen, von Informationstechnologien geprägten Arbeitsalltag der Multioptionsgesellschaft dar. 

Die „Sommerfrische“ feiert Renaissance – auch abseits der Badesaison. Ob als „Time Out“ für Burn Out Patienten oder Stressgeplagte, ob für konzentriertes, kreatives Schaffen am Rückzugsort – ohne Ablenkung durch Überfluss. Zur Ruhe kommen, auf das wesentliche reduzieren, neue Kraft auftanken. Durch die Natur, durch kulturelle Impulse. Aber auch durch den Kontakt mit der ansässigen Bevölkerung. Letzteres steht ganz oben auf der Wunschliste der Millennials. Die gegenseitige Inspiration kann für Gast wie Gastgeber gleichermaßen Bedeutung haben und fruchtbringende Prozesse in Gang setzen. Für derartige Win-Win-Situationen sind neue Konzepte gefragt. Differenziert, am konkreten Ort und auch an den Bedürfnissen der autochthonen Bevölkerung und Wirtschaft orientiert.

Auch der Faktor Zeit ist eine wesentliche Komponente. Das Bürgertum Anfang des 20. Jahrhunderts übersiedelte in die „Sommerfrische“ noch mit dem gesamten Haushalt und ihren Bediensteten auf Wochen – man wohnte auf Zeit und ließ sich auf den Ort ein. Neben dem kühleren Klima und der Nähe zur Natur, eröffnete der sommerliche „Tapetenwechsel“ vielfach auch einen interdisziplinären Austausch und gute Möglichkeiten zum Netzwerken. Viele der bedeutendsten Kulturschaffenden des Fin de Siècle hatten in dieser „Auszeit“ ihre kreativsten Schaffensperioden. 

Nach einer Ära der immer kürzer werdenden Urlaube eröffnen die aktuellen Veränderungen in der Mobilität von Arbeit und Arbeitszeiten neue Möglichkeiten, die sich zeitversetzt auch im Urlaubsverhalten abbilden werden. Auch die demographische Entwicklung in Europa und die Arbeitsmarktlage weisen eher darauf hin, dass es künftig mehr Zeit für Urlaub und Freizeit geben wird. Aber ist Urlaub abseits einer reine Konsumbefriedigung auch sinnstiftend möglich? Welche zukunftsfähigen Tourismuskonzepte können Synergien zwischen Gast und Anwohner herstellen. Und was kann Architektur dazu beitragen?

Nanotourismus ist ein konstruierter Begriff, der eine kreative Kritik zu den gegenwärtigen umweltlichen, sozialen und ökonomischen Kehrseiten von Massentourismus beschreibt. Er ist als ortsspezifische, partizipatorische, lokal orientierte und “bottom-up” Alternative definiert, die durch die gemeinsame Erzeugung und Austausch von Wissen als Werkzeug zur Anregung von gegenseitigen Interaktionen zwischen Anbietern und Nutzern agiert. Schließlich reicht er über den Bereich des Tourismus hinaus: er ist eher ein Bemühen für das Verbessern von spezifischen alltäglichen Umfeldern und eine Strategie für das Öffnen von neuen lokalen Wirtschaften.

Seit 2014 widmet sich die AA nanotourism Visiting School der Architectural Association School of Architecture in London der Erforschung dieses Themas sowie der Entwicklung entsprechender Strategien unter der inhaltlichen Leitung von Aljosa Dekleva. Der Wissensaustausch interdisziplinärer Expertinnen findet an unterschiedlichen Orten und oft im Rahmen namhafter Architektur- und Designfestivals statt. Nach Slowenien, Frankreich, Hawaii und Peru ist die AA nanotourism Visiting School 2020 auch im Rahmen der Vienna Design Week Ende September in Wien zu Gast. Der Prozess und die auf den jeweiligen Standort abgestimmte Strategie bestimmen auch die Projekte von Dekleva Gregorič Architects.

www.dekleva-gregoric.com
www.nanotourism.aaschool.ac.ukwww.nanotourism.org

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