Österreich-Pavillon

bei der 16. Internationalen Architekturausstellung
La Biennale di Venezia

Thoughts Form Matter

Der Österreich-Beitrag Thoughts Form Matter ist ein Plädoyer für die Kraft von Architektur als intellektuelle Auseinandersetzung mit der Welt und für die Freiheit, Räume auch abseits funktionaler und ökonomischer Zwänge zu denken. LAAC, Henke Schreieck und Sagmeister & Walsh schaffen eine konzeptuell und materiell vielschichtige Rauminstallation, in der Innen und Außen, Vertikal und HorizontaI sowie der historische PavilIon und zeitgenössische Architektur- und Designsprachen aufeinander treffen.

Thoughts Form Matter lässt Räume entstehen, die jene Qualitäten wahrnehmbar machen, welche die Architektlnnen und Designerlinnen mit ihrer Arbeit erzeugen wollen. Die Teams verstehen in ihren Beiträgen „Freiraum" sowohl als räumliches als auch ideelles Konstrukt, als komplex dynamisches System, als wandlungsfähige Sphäre, geprägt durch Koexistenz. Begriffe wie „Abweichung", ,,Atmosphäre" und „Schönheit" materiaIisieren sich in einer dreiteiIigen, ineinander greifenden Rauminstallation.

LAAC nähert sich in der Arbeit „Sphäre 1:50 ooo" dem Freiraum in Form einer räumlichen Abweichung. In den Pavillon wird eine gekrümmte Kreisfläche eingeschrieben, die das Segment einer Sphäre offenbart. Der kugelförmige Körper steht im Maßstab 1:50.000 zur Erde und dezentralisiert das symmetrische Bauwerk. Die spiegelnde Oberfläche des gekrümmten Bodens öffnet vielfältige Raumbezüge. Man sieht sich dort, wo man nicht ist und vergegenwärtigt gleichzeitig jenen Ort, an dem man sich befindet. So wird der Spiegel zum Instrument der Abweichung anstatt der Symmetrie und erzeugt visuelle sowie gedankliche Möglichkeitsräume. Dieser Ort oszilliert zwischen der absoluten Raumvorstellung des Pavillons und einem relationalen Ansatz, der die unterschiedlichen Bestandteile der Ausstellung in Beziehung zueinander setzt und verbindet.

Mit „Layers of Atmosphere" erzeugen Henke Schreieck mit einer zweiteiligen Rauminstallation unterschiedliche Atmosphären in zwei identen Räumen: hell und dunkel, dicht und licht, konstruktiv und poetisch, West und Ost begegnen sich als Gegenüberstellungen. Konstruktionsweise, Materialität, Farbe und Lichtstimmung erwirken duale Raumqualitäten. Von einer begehbaren Holzkonstruktion taucht man über eine Brücke in den Lichtraum aus Papier, durch dessen Materialität und Durchwanderung auch Geräusche, Zeit und Bewegung hinzukommen. Freiraum, das ist nicht nur der unbebaute Raum, sondern die Wirkung von Atmosphäre, die sich aus Wahrnehmung, Beziehung und Kontext ergibt.

Der dritte Beitrag „Beauty= Function", gestaltet von Sagmeister & Walsh, stellt die Frage nach dem ästhetischen Anspruch von Architektur und nach der Notwendigkeit des Schönen im Alltag. In zwei Projektionen, angereichert mit Bildweiten aus der zeitgenössischen (Pop)-Kultur greifen sie das kontrovers diskutierte Thema um Funktion und Schönheit auf. Materialität und Zeit spielen hier eine gänzlich andere Rolle. Das Digitalschöne und sein Einfluss auf die Rezeption von Architektur stehen im Vordergrund.


Kommissärin und Kuratorin

Verena Konrad, geb. 1979, studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Theologie an der Universität Innsbruck. Universitätsassistentin am Institut für Architekturtheorie und Baugeschichte, Innsbruck. Lehrauftrage an der Universität Innsbruck (Architekturtheorie, Kunstgeschichte) und an der Kunstuniversität Linz (Raum- und Designstrategien), Kuratorische Arbeit für die Galerie im Taxispalais, Kunsthalle Wien und freie Arbeit als Kunsthistorikerin. Seit 2013 leitet Verena Konrad das vai Vorarlberger Architektur Institut.
www.v-a-i.at


Architektur- und Designbüros

LAAC (Innsbruck, AT)
Seit mehr als zehn Jahren entwickelt, erforscht und lehrt das international tätige Architekturbüro innovative Antworten auf urbane und landschaftliche Herausforderungen. Das Büro wird von Kathrin Aste und Frank Ludin geführt und arbeitet in Teams aus Architektlnnen, Künstlerlinnen, Grafikerlnnen und einem Netzwerk aus Partnerlinnen und Expertlnnen verschiedener Disziplinen. Neben öffentlichen Bauten im Bereich Kultur-, Bildungs- und Sportstätten bau sowie repräsentativen und funktionalen Büro­ und Industriebauten, fokussiert sich LAAC insbesondere auch auf Landschafts- und Freiraumgestaltungen, die von landschaftlichen Interventionen und Platzgestaltungen bis großmaßstablichen Masterplanen reichen.
Ausgewählte Projekte: Residenzplatz, Salzburg (2016), Wohnanlage Dorfgasse, Innsbruck (2016), Kulturstadtraum, Spittal an der Drau (2017), PS2 Bibliothek, Gastronomie, Wohnen, Innsbruck (in Bau), Copa Cagrana Neu, Wien (in Bau).

Henke Schreieck (Wien, AT)
Dieter Henke und Marta Schreieck haben an der Akademie der Bildenden Künste in Wien studiert. Gemäß ihrem Credo „Architektur ist Städtebau" entstanden in 35-jähriger Zusammenarbeit unterschiedlichste Bauaufgaben, die sich im gleichen Maße dem Auftraggeber wie der Gesellschaft verpflichtet fühlen. Sie haben zahlreiche Preise, Auszeichnungen und Einladungen zu internationalen Ausstellungen erhalten.
Beiträge von Henke Schreieck waren bereits 1996 und 2008 auf der Biennale di Venezia zu sehen. Ausgewählte Projekte: Wohnhaus ÖBV Wien (1993), Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Innsbruck (1998), Parkhotel Hall (2003), Bürohochhaus OMV Wien (2008), Borealis Innovation Headquarters Linz (2009), Haus mit 2 Höfen Burgenland (2012), Erste Campus Wien (2015), Trlllple Wohnhochhäuser Wien (ab 2012).

Sagmeister & Walsh (New York, USA)
Stefan Sagmeister und Jessica Walsh sind Creative Directors und Partner bei Sagmeister & Walsh. Stefan Sagmeister wurde bekannt durch seine Arbeiten für The Rolling Stones, Talking Heads, HBO, OK Go, BMW, Guggenheim Museum, Aerosmith und viele andere. Zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen und Vorträge. Nach dem Erfolg der „Happy Show" und des „Happy Film", den er mit Ben Nabros 2016 am Tribeca Film Festival vorstellte, arbeitet das Büro zur Zeit an einem Projekt zum Thema „Beauty". Die Arbeiten von Jessica Walsh wurden bereits vielfach ausgestellt und publiziert. Zahlreiche Vorträge bei Festivals, Kongressen und Konferenzen. Designkampagnen u.a. fur Snapchat Spectacles, Cinepolis, The Aldrich Museum, The Jewish Museum New York und MILLY.