Making Waves

oder wie junge Österreichische Architektur in China Wellen schlägt! Pudong, der moderne Businessdistrikt von Shanghai, ist in den letzten Jahren zum Symbol für das unglaublich rasante Wirtschaftswachstum Chinas geworden – und mit ihm das Wahrzeichen Shanghais – der Oriental Pearl Tower. Am Fuße des zweithöchsten Fernsehturmes der Welt wurde Mitte September die erste „Environmental Art Exposition" in China eröffnet und mit ihr eine Leistungsschau junger, innovativer österreichischer Architektur mit dem Titel „making waves".


Über eine Publikation hatten die Expoorganisatoren über die Arbeiten der jungen Österreicher erfahren und weil die Arbeiten gefielen, wurde „architektur in progress" kurzerhand eingeladen zum Thema "Architektur und Landschaft" eine Ausstellung für Shanghai zusammen zu stellen. In enger Zusammenarbeit mit der Initiative YEAA (Young European Asian Architects) wurden 25 Projekte ausgesucht. Der Bogen spannt sich von kleinen, aber innovativen Einfamilienhäusern bis hin zu großmaßstäblichen städtebaulichen Visionen. Den Initiatoren war es ein Anliegen, dass neben den Wiener Teams auch Arbeiten aus den Bundesländern vertreten sind und so wurden Projekte der Teams querkraft, Delugan_Meissl, gerner°gerner plus, propeller z, BKK3, pool, the next ENTERprise, Rainer Pirker Architexture, BN Architekten, hobby a, urban fish 2, Mladen Jadric, Flöckner & Schnöll, Martin Forsthuber, ko a la, HOLODECK.at mit Marc Gilbert und Machné & Durig Architekten ausgewählt.

In Zusammenarbeit mit dem Pneu-Pionier Michael Schultes wurden neun aufblasbare Kuben aus transparenter PVC-Folien entwickelt, die von je 22m² bedruckten Textilbahnen umspannt werden. Bereits bei der Expo-Eröffnung in Shanghai wurden die hinterleuchteten Würfel zu einem beliebten Anziehungspunkt für viele neugierige Besucher.

Die Ausstellung sollte ursprünglich bereits im Mai 2003 statt finden. Der Ausbruch der SARS - Epidemie machte jedoch alle Pläne zur Nichte - die Expo wurde kurzerhand abgesagt. Als dann die Einladung im zweiten Anlauf für September kam, standen den Organisatoren gerade knappe zweieinhalb Monate zur Verfügung, um die Ausstellung zu produzieren und nach China zu transportieren. Nur dem unermüdlichen Einsatz aller Beteiligter und der finanziellen Unterstützung des Bundeskanzleramtes war es zu verdanken, dass die Ausstellung doch noch rechtzeitig in Shanghai aufgebaut werden konnte. Nach der Expo war „making waves" im Shuiqing Muhua Museum in Shanghai zu sehen und danach in Nanjing. Anfang Dezember wird die Ausstellung in Shenzhen eröffnet werden, von wo sie weiter nach Guangzhou gehen wird, um schließlich im Jänner 2004 in Beijing gezeigt zu werden.

„making waves" sollte auch für das Knüpfen neuer Beziehungen zu China genutzt werden. Parallel zur Ausstellung wurde „architektur in progress" von den wichtigsten Universitäten, aber auch von Investoren eingeladen Vorträge zu organisieren, weshalb Anfang September vier der ausgestellten Architektenteams nach China reisten. Die Vorträge von Roman Delugan, Jakob Dunkl, Rainer Pirker und Manfred Berthold fanden in Shanghai und Nanjing statt und waren so erfolgreich, dass für November 2003 eine zweite Vortragsreihe organisiert wurde – bei der weitere Teams ihre Projekte in Beijing, Guangzhou, Shenzhen und Hongkong zeigen werden. Bereits die ersten Vorträge haben Einladungen zu Workshops und Gastprofessuren gebracht, ja sogar zu Angeboten von Investoren.

Es scheint so, als ob sich China nach den Jahren der superlativen Bauquantität nun zaghaft aber doch für Qualität und Nachhaltigkeit zu interessieren beginnt. „architektur in progress" sieht darin eine große Möglichkeit durch aktive Netzwerkarbeit den Österreichischen Architekturexports anzukurbeln. Dafür ist aber die ernsthafte Unterstützung seitens der Öffentlichen Hand notwendig.

Deutschland und Frankreich investieren seit Ende der 1990er Jahre enorme Mittel um Architekten wie Bauindustrie in China forciert zu positionieren. Auch die Schweiz hat erkannt, dass es sich lohnt in den Hoffnungsmarkt China zu investieren und fördert seit 2001 großzügig die kulturelle und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Nationen. In Österreich fehlen bis dato die entsprechenden Mittel, um den Export Österreichischer Architektur- und Planungsleistungen nachhaltig zu fördern. Seit wenigen Monaten gibt es zumindest Absichtserklärungen entscheidungstragender Politiker, für die „Exportoffensive der Österreichischen Kreativindustrie" künftig entsprechend gut dotierte Fördertöpfe bereit stellen zu wollen.

„making waves" konnte das Tor nach China öffnen – es wäre ein Leichtes ein öffentlichkeitswirksames Lebenszeichen der Austrian-Creative-Industries in den chinesischen Wachstumsmetropolen zu setzen! Bleibt zu Hoffen, dass dieses Potential auch von den maßgeblichen Politikern erkannt wird - denn man bekommt niemals eine zweite Chance einen ersten Eindruck zu hinterlassen!