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Nachruf: Tiroler Tageszeitung vom 14.06.2011

Ein Visionär im Denken von Architektur

Mit dem Architekten Rainer Pirker verliert Österreich einen seiner radikalsten und intelligentesten Kämpfer für die Kunst des Bauens.
   
Von Edith Schlocker

Innsbruck – Sozusagen in Ausübung seines Berufs ist Pirker in der vergangenen Donnerstagnacht bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Auf dem Weg von Wien nach Tirol, um das Modell seines im Rahmen eines international geladenen Wettbewerbs entstandenen Beitrags für ein großes, multifunktional nutzbares städtebauliches Projekt für Kufstein abzugeben.

In das der 54-Jährige in den letzten Monaten viel Zeit und Hoffnungen investiert hat. In der Sehnsucht, einen seiner Entwürfe endlich auch realisieren zu können. Denn gebaut hat der 1957 in Graz geborene, in Innsbruck aufgewachsene Pirker – wo er auch studiert hat und sein nun 13-jähriger Sohn Valentin lebt – praktisch nichts. Das Einzige war ein kleiner Zubau bzw. ein Carport für ein 50 Jahre altes Haus in Gaimberg. Um für diese wunderbar sich zwischen Landschaft und bestehendes Gebäude schiebende architektonische Intervention sofort mit einem Preis des Landes Tirol für Neues Bauen 2010 ausgezeichnet zu werden.

Hier in Gaimberg hat Pirker vor zehn Jahren auch den Wettbewerb zum Bau eines Feuerwehrhauses gewonnen. Die Juroren genauso wie überregionale Architekturtheoretiker gerieten ob dieses kongenial in den Hang hineingebauten bzw. sich stützenfrei aus diesem hinausstemmenden Projekts ins Schwärmen. Gebaute Wirklichkeit wurde es aber nicht, scheiterte am Veto mächtiger Dorfgewaltiger.

Genauso wie sein mit dem zweiten Preis ausgezeichneter Wettbewerbsentwurf für das Kaufhaus Tyrol nie ernsthaft zur Diskussion stand, selbst als klar war, dass das Siegerprojekt nicht umgesetzt werden wird. Offensichtlich zu radikal war Pirkers Handschrift, zu visionär seine Art, Architektur zu denken, zu kompromisslos sein Umgang mit potenziellen Bauherren. Sprach er doch klar das aus, was viele nur denken: dass heute potente Investoren und nicht die Stadtbenutzer die Entwicklung des Urbanen bestimmen.

Auch in China, wo Pirker als Lehrer wie Architekt versucht hat, auf der Basis alter Traditionen intelligente Konzepte für heute zu entwickeln. Womit er gegen geballte internationale Konkurrenz mehrere große Wettbewerbe für innovativen Städtebau und Preise gewonnen hat. Meist aber für die Schublade. Außer seinem „Garten der 999 Bäume“ für die alte Kaiserstadt Nanjing, mit dessen Realisierung in Kürze begonnen werden sollte.

Bei der Architekturbiennale von Venedig im vergangenen Jahr hat Rainer Pirker ein anderes seiner chinesischen Projekte sowie Arbeiten seiner Schüler an der Universität Nanjing präsentiert. Pirkers kritisches Nachdenken über die urbane Unverwechselbarkeit Innsbrucks ist auch in die „Hochhausstudie“ von 2002 eingeflossen. Um wie so vieles graue Theorie zu bleiben.

Von Edith Schlocker

 

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