Peter FattingerPeter Fattinger

 

Peter Fattinger

Die Fassade des Palais Thienfeld in Graz wurde temporär zu einem vertikalen Wohnobjekt adaptiert. Im Zwischenraum von Öffentlichkeit und Privatheit schufen ArchitekturstudentInnen der Technischen Universität Wien ein System, das als Wohnung funktionierte und durch die Veränderungen an der Fassade die Identität des Palais temporär veränderte und das Thema Wohnen öffentlich erarbeitete.

Im 5. Stock am Sonnendeck steht ein Kinderplanschbecken,
liegend blickt man zwischen den Palmen hindurch in die Gassenflucht der Griesgasse und beobachtet Passanten. Immer wieder finden spontane Besucher den Weg durch die Zweitfassade bis auf diese 10 Meter hoch gelegene Ebene und sind von der Exponiertheit beeindruckt – Schwindelfreiheit und die Erklärung zur Benutzung auf eigene Gefahr vorausgesetzt.

Der Weg führt an einer Motorradwerkstätte im 4. Stock vorbei – die Mopeds gelangen per Flaschenzug zum Tunen – die Werkstatt wird zur Lounge und umgekehrt. Work in Progress ist die Devise, denn fertig kann ein derart verschachteltes System nie werden. Auf sämtliche physischen und psychischen Notwendigkeiten wird Rücksicht genommen, eine Toilette mit Wasserspülung befindet sich abgelegen hoch über dem Südtiroler Platz. Das Bad mit Dusche, teilweise aus transluzenten Materialien gefertigt, leuchtet nächtens klar erkennbar. In unmittelbarer Nähe liegen „Schlafrohre“,die innen verschieden – kitschig oder rustikal – ausgestattet sind. Sie bieten als Einpersonenschlaf-gelegenheiten optimalen Schutz vor morgendlichem Straßenlärm.

Kopfseitig schafft eine Acrylglasluke einen Rundblick. Das Ganze ist bei einem Durchmesser von lediglich 65 cm aber nur für Personen ohne Klaustrophobie geeignet. Eine Ebene tiefer befindet sich eine „Liegewiese“, nur mit einem Fangnetz räumlich begrenzt, der ideale Ort zum Chillen und Schlafen, sommerliche Trockenheit ist von Vorteil.

Über eine schmale Treppe im Freiraum zwischen bestehender und temporärer Fassade gelangt man in die Küche mit auskragendem Holzkohlegrill. Hier kümmert man sich um das leibliche Wohl der Bewohner und Gäste. In der angrenzenden Lounge mit Platz für DJs und VJs beginnt der eigentliche Besucherbereich, der ebenerdig durch eine rote Sitz- und Liegewelle artikuliert wird. Als Dienstleistung ist der „Beautysalon“ im Erdgeschoss zu verstehen, mobiles Mobiliar sollte den Friseur oder Masseur in die Mitte des Platzes transferieren.

Ans Arbeiten in digitalen Welten wird auf der Küchenebene gedacht, drei beschattete Computerarbeitsplätze mit besonderer Beinfreiheit dienen dem Workflow.

Peter Fattinger, Michael Rieper


Peter Fattinger (1972)
mikroarchitekturen und makrodesigns;
Do It Yourself –  Experimente im Grenzbereich zwischen Architektur, Design und Kunst

 

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