Herwig MüllerHerwig Müller

 

Herwig Müller

Herwig Müller „Ich zähle mich nicht zu den klassischen Architekten“

Eigentlich wollte Herwig Müller nicht unbedingt Architekt werden. Dass Wilhelm Holzbauer ihn 1982 an der damaligen Hochschule für angewandte Kunst aufgenommen hat, war mehr ein Zufall. Herwig Müller war auf der Suche nach einem kreativen Betätigungsfeld und das Studium an der Angewandten legte das Zentrum dazu nur im weitesten Sinne fest. Architektur als Begriff ist keine Einschränkung für ihn. Obwohl er am 30.Oktober seine Projekte unter Herwig Müller Architektur vorstellen wird und keine kryptischen Büronamen vor ihm oder hinter ihm stehen, ist gerade seine Laufbahn von Zusammenarbeit geprägt. Und die sind genauso vielfältig wie seine Auftraggeber und oftmals ident. Er sucht nicht nach Projekten oder Auftraggeber, die finden sich beim Angeln, beim Ziehharmonika spielen oder irgendwo auf dem Weg, der sich gedanklich um den Raum erweitert. Die Dinge, die auf ihn zukommen möglichst gut zu bewältigen, der Anspruch nichts Neues zu erfinden, vielmehr neu zusammenzufügen, Phänomene, ob in Kunst oder Kultur, anders wieder auftauchen zu lassen, würden die Idee hinter den Projekten von Herwig Müller am ehesten beschreiben. Dass es doch oft mehr Architektur wird und ist, liegt mehr an der räumlichen Interpretation der Konzepte, der Darstellung und der universitären Ausbildung als am Anspruch des Bauens an sich. Damit lässt sich auch die Vielfältigkeit erklären, die seine Projektmappe umspannt.

„Hell Cuisine“ ist ein Projekt, dass Architektur mit der Urmasse konfrontiert: Orte und Menschen, Installationen und Mischmaschinen. Sehr vereinfacht und zugegeben ein wenig ironisch dargestellt, ist „Hell Cuisine“ eine Kochperformance, die sich unüblichen Orten und Mitteln bedient und diese je nach vorgegebenen Parametern umsetzt. Seit 1997 mittlerweile schon an 14 verschiedenen Orten in Berlin, Linz und Wien installiert, werden je nach Anlass Bau-Tools zweckentfremdet und als Kochinstallationen zusammengefügt. Das Menü ist vielfältig und kommt aus Mischmaschinen oder Schubkarren. Herwig Müller: „Das Aktionsfeld ist praktisch an allen Orten denkbar. Bei dieser Art des Kochens wird mit alltäglichen Kochgewohnheiten gebrochen und die Erfahrung der alchemistischen Komponete des Kochens verdeutlicht.“ Das Projekt wurde mit „Peanutz“ Architekten initiiert und bezieht seine Inspiration aus den, in östlichen und südlichen Ländern üblichen, privaten Straßenverkauf von Essen.

Hygienischer ging es bei dem Expo 2000 Projekt mit (Zutat) „Gelatine“ zu. Außer einer Badehose musste man als Benutzer sich nur noch mit genügend Neugier bewaffnen, um in Raum durchzutauchen, der hinter 23m³ Wasser versteckt lag. Auch bei diesem Projekt zählt für Herwig Müller die Ortsunabhängigkeit und die Schnelligkeit der Installation.

Zu der Realisierung des Headquaters für die Mörtl GmbH in Kärnten sagte Müller nur: „Den frischen Beton zu riechen, war schon ganz wunderbar.“ Bauen ist ein Zusammensetzen komplexer Tools, (eine definiertere Umsetzung als bei seinen temporären Installationen und natürlich mehr als Pfefferonis oder Badewannen), die Lust liegt aber, wie leicht erkennbar, an den Details und der räumlichen Inszenierung. Je nach Bedarf – oder Rezept.

Trotz dieses beschwingten Umfelds, das sich Herwig Müller um seine Arbeit geschaffen hat und das unter vielen Einflüssen steht, ist er selbst das besondere Verbindungsglied dieser Projekte und Menschen. Wie er sich selbst darin positioniert, wird er uns hoffentlich in seinem Vortrag erklären. Denn das darin seine Qualität und seine Inspiration liegt, wird bei all der Vielfalt schnell deutlich.


 Herwig Müller
1962  geb. Straßburg     
1982  Studium der Architektur - HS f. angew. Kunst/Wien
1990  Diplom      
1998  Freischaffender Architekt-Berlin  
1995-2001  div. bauliche Realisierungen, im In u. Ausland
  lebt und arbeitet in Wien und Berlin

 

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